Lieber Leser,

Mein erstes großes Meisterwerk trug den Namen: "Die Wichteln unter der Erde". Ich könnte natürlich versuchen zu behaupten, dass der grammatikalische Fehler bewusst als Stilmittel eingesetzt wurde, jedoch war ich kindliche sechs Jahre alt, als ich jenes Oeuvre schrieb und kannte den Begriff "Stilmittel" noch nicht einmal.

Doch auch bis zu den "Wichteln unter der Erde" war es ein langer Weg.

Meine starke Verbindung zur Natur entspringt zweifellos dem gemütlichen, oberbayerischen Dorf, in dem ich aufgewachsen bin. Die meiste Zeit meiner Kindheit verbrachte ich draußen an der frischen Luft, saß auf Bäumen, watete durch Bächlein und rettete Frösche. Die Fantasie sprudelte dabei förmlich über - unter jedem Wurzelstock hausten mit Sicherheit winzige Feen oder hässliche Kobolde, irgendwo versteckte sich gewiss ein Einhorn oder eine böse Hexe.

Bei schlechtem Wetter gab es nur eine Beschäftigung, die mich zufriedenstellte: Lesen. Ich las viel, eigentlich immer. Ich wuchs heran und begann mich zu fragen, was manche Bücher so besonders macht, dass man sie nicht mehr aus der Hand legen möchte. Ich verfasste erstmals kleine Geschichten (wie beispielsweise oben genannten Bestselleranwärter). Jedoch verflog jene Phase auch schnell wieder, nachdem es im Deutschunterricht schlechte Noten regelrecht hagelte. Ich ging also davon aus, einfach keine Deutsch-Leuchte zu sein und legte den Stift mit gebrochenem Herzen nieder. Doch schon bald juckte es mich erneut in den Fingern. Als Halbwüchsige schenkte ich unseren drei Laufenten, den zwei Nymphensittichen und unserer Siamkatze Hauptrollen in meinem damals neu entstehenden Klassiker. Die schlechten Deutsch-Noten blieben jedoch bestehen und meine Schreib-Freude wurde ein weiteres Mal gedämpft.

Ganz aufgeben konnte ich jedoch nie. Während des Abiturs entdeckte ich die Freude am Verfassen kleiner Gedichte und Kurzgeschichten. Das Schönste war: endlich hatte ich einen Deutschlehrer, der mich verstand und Deutsch wurde mein liebstes Fach. Ich schrieb und schrieb, schmiss vieles davon fort, aber ich hörte nicht auf.

Nach meinem Abitur studierte ich Journalistik. Anstatt mein ganzes Herzblut jedoch in irgendwelche Berichte oder Reportagen zu stecken, verwendete ich jeden Funken Leidenschaft für ein Buch, welches ich zu planen begonnen hatte. Nebenbei machte ich noch eine Schauspielausbildung. Ein Bereich, der ebenfalls zu meiner großen Leidenschaft heranwuchs.

Der Journalismus rutschte immer weiter nach hinten, während die Schauspielerei und eben jenes Buch immer wichtiger wurden. Im Jahr 2012 schickte ich das Manuskript mit dem Titel "Bannwald" an die Literaturagentur Gathemann und konnte es kaum glauben, als Herr Gathemann sich tatsächlich für meine Geschichte interessierte.

Wenn ich einmal nicht schreibe, dann lasse ich mich von Familie, Freunden und Fremden inspirieren, koche oder lese selbst. Und immer noch bin ich oft draußen in der Natur unterwegs und besuche die Wichteln unter der Erde.

In diesem Sinne,